Italien, Wohnmobil-Reisen
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Herbstreise um den Stiefel: Im Süden. Teil 2

Wir brechen früh auf, einfach Richtung Süden , der Himmel ist blau, aber es ist saukalt, aus dem Plan draussen zu frühstücken wird nix….also wie immer, auf dem Weg der erste Bäcker ist unserer, und dann mal sehen.

In Poligano a Mare sieht es nett aus, also Frühstück! Auf der anderen Seite der Bucht ist ein hoch eingezäuntes Haus…vereinzelt kommen Damen aus dieser Richtung und laufen am Strand hin und her…sehr seltsam, ob das ne Klinik ist? Nein, bei der Abfahrt kommen wir am Schild für ein 5 Sterne Hotel vorbei…uii…da möchte ich nicht eingesperrt sein!

Frisch gestärkt beschliessen wir Lecce anzuschauen, nun ist süditalienisches Barock, sowenig meins wie schwäbisches Barock…zu viel, zu viele Putten, zu viel Gold, zu viel Protz…aber was solls, ich will ja nicht da bleiben, und die Stadt soll schön sein.

LECCE

Lecce

Direkt an der Stadtmauer gibt es einen Womostellplatz auf einem normalen Parkplatz, ich glaube 8 Euro, und wirklich direkt im Zenrum. Ein paar Schritte und wir kommen durch ein prächtiges Stadttor in die wirklich schöne barocke Stadt. Es fällt schon sehr auf, wenn Städte nicht im Krieg zerstört wurden…

Wir laufen ein Stückchen, und kommen. An einem herrlichen vollkommen unscheinbaren Olivenölgeschäft vorbei. Dazu muss ich sagen dass die Stadt Andra bei Monte San Angelo als Olivenölstadt gilt, leider ist es uns dort nicht gelungen einzukaufen, weil wir kein Geschäft fanden, das mit dem Wohnmobil anzufahren gewesen wäre. Also muss es nun Lecce sein! Wir kosten, es ist sehr gut, und es ist 13 Uhr…also schliesst hier alles bis 17 Uhr, was tun? Der geübte Leser weiss es: Matti schleppt einen 5 LiterKanister feinstes Olivenöl 4 Stunden durch Lecce!

Lecce ist eine Mischung aus kleinen Gassen und Strassen und grossen pompösen Plätzen, eigentlich wirklich mehr als sehenswert. Es fallen sehr viele maximal pigmentierte Bettler/innen auf…viele mit Baby auf dem Rücken.

Es kommt natürlich wie es kommen muss…Matti muss in die Kirchen….also Ticket gekauft ( 8 Euro finde ich etwas üppig?) und rein, Nummer eins: Horror in Gold, Nummer 2: nicht anders! Nummer 3 ist der Dom, keine Putten., aber dennoch gruselig protzig, das einzig schöne, weil still und nicht überladen ist die Krypta…seht ihr auf den Bildern. Moni sitzt vor Kirche Nummer 3 bei ihrem dritten Kaltgetränk und amüsiert sich über ihren bekloppten Mann….sie besichtigt meist das, was ich toll finde und spart so einiges an Frust.

Die ruhigeren Ecken und Strassenzüge sind deutlich schöner, und so schleppe ich mein 5 Liter Andenken Richtung Wohnmobil, wir wollen weiter, die Stadt reizt nicht zum übernachten. Fazit: anschauen, kein Öl kaufen und nicht am Dom was trinken!

Wieder ans Meer und weiter Richtung Süden wird es Zeit nen Stellplatz für die Nacht zu suchen, zumal das Wetter nicht so wirklich nett ausschaut! Kurzer Stop am Supermarkt, Stilkohl und Salsiccia…und dann mutig vom Berg ans Meer runter….hui, hoffentlich komme ich da wieder hoch. In Marina di Andrano muss im Sommer die Hölle sein, die kleinen Häuser am Meer haben ihre Gärten alle in Parkplätze verwandelt… viele Parkplätze und wenig Strand! Im Herbst ist es ausgestorben und man kann wunderschön direkt am Meer kostenlos übernachten.

Ich habe das Gemüse noch nie gekocht, obwohl es in Italien überall angeboten wird… es soll bitter sein, aber das mögen wir. Also traditionell mit den Orechiette aus Bari und Kalbsvogerl…. der Bringer wars nicht. Trotz aller Mühen schmeckte es etwas nach Gras, nicht schlecht, aber ich hatte mehr Bumms erwartet. Ein Paar Tage später sahen wir es in einem Restaurant auf Toast mit Lardo, da seh es sehr gut aus…aber war ausverkauft…grr

Cima di Rapa

Die Nacht wird sehr ungemütlich, es schüttet und stürmt, ich muss erstmal schauen ob wir weit genug von Bäumen weg stehen…alles wackelt und klappert…nix für schwache Nerven.

Am Morgen gehts mit dem Wetter, aber in dem ganzen ausgestorbenen Ort gibt es keinen Bäcker, und unser Garganobrot war beim kaufen schon uralt und ist auch als Toast nicht zu retten! Also einpacken und weiter!

Der Himmel hängt nicht voller Geigen sondern voller Wolken…. das wird definitiv kein Strandtag! Ok, also weiter…. wir machen uns auf eine weite Strecke gefasst: Matera oder nicht? Es war Kuturhauptstadt, das spricht für einen Besuch, aber Höhlenwohnungen interessieren mich noch viel weniger als barocke Schnörkelkirchen!

MATERA

Also fahren wir erstmal los, und lassen uns überraschen. Wir übernachten irgendwo, und sind zum Frühstück in Matera. Auch hier ist ein Stellplatz direkt am Bahnhof. Wir parken, orientieren uns kurz bei Tante Google wo wir hin müssen und laufen los. Wir laufen ungefähr 5 Minuten und sind von den Socken: ein Bahnhof! Ein superschöner Bahnhof mit unterirdischen Gleisen, ein Bahnhof mit Eingängen wie in einer Weltstadt, ein Bahnhof mit dem Pferd von Dali davor, ein offenbar sehr sehr teurer Bahnhof! Und? Ein Bahnhof mit einem Gleis!! Da ist offenbar sehr viel Geld in die Kulturhauptstadt geflossen.

Ich kanns kurz machen, man muss die Sassi ( das sind die Höhlenwohnungen) gar nicht alle anschauen, die Stadt ist auch so wirklich superschön! Wir schlendern und schauen und freuen uns. Es ist gerade ein Musikfestival in der Stadt, aber durch Corona sind die Plätze so reduziert, dass es keine Chance auf Karten gibt.

Erster Stock: Heilige in Öl, Mittelalter und später. Horror, ich Banause habe mal Stilkunde unterrichtet… Madonnen mit Kind und Märtyrer lösen in mir einen Fluchtreflex aus. Die Säle im ersten Stock schaffe ich mit gefühlten 200 Bildern in unter 2 Minuten! Zweiter Stock, ok, 3 Minuten. Dritter Stock? WOW Kunst des 20 Jhdt, in Matera entstanden und eine wunderschöne Fotoausstellung! Weil Moni draussen sitzt, schaffe ich es in 45 Minuten…es hätten auch 2 Stunden werden können!

Ich schaue in ein paar Kirchen, irgendwie kann ich da nicht richtig ticken…aber ich schau nur kurz rein…sie sind alt, aber wohl Ende des 19 Jhdt. „Modernisiert“ und sehen auch so aus… Aber es gibt eine alten Adelspalast, Palazzo Lafranchi , in dem ein Museum ist, also bleiben Frau und Hund, diesmal ohne Ölkanister im Schatten vor einem sehr netten Cafe und Matti macht in Kultur! 6! sehr gelangweilte ( es waren 3 Gäste im gesamtem Museum) verkauften mir ein Ticket für 2 Euro. Klasse!

Auf dem Weg raus höre ich eine himmlische Sopranistin, die Tango singt…nein nix vom Band, ich schmuggle mich in den Saal, natürlich von der Sängerin bemerkt und gewunken…die für ein Piazzola Konzert am Abend mit ihrem Orchester probt. Matti ist ergriffen und von den Socken. Das Video ist dementsprechend heimlich und wackelig…also Mist, aber vielleicht zeige ich es euch dennoch.

Palazzo Lafranchi Matera in Öl
Reinhören!

Wieder draussen, Frau und Hund freuen sich, bekomme ich ein Bier, ein sehr leckeres Bier, und muss nur das Bier zahlen und nicht das Unescokulturerbe noch mit…es leben in Matera offenbar. Noch mehr Menschen als Touristen. Sehr schön!

Am späten Nachmittag fahren wir weiter, wir wollen es bis Carpaccio schaffen, wo unser Sohn uns einen angeblich wunderschönen Campingplatz empfohlen hat.

Carpaccio und Paestum

Das Navi findet den Campingplatz, die Schranke ist offen, aber keiner da. Ganz vorne am Strand stehen im Kies ein Paar Wohnmobile, sonst ist alles ausgestorben. Wir suchen uns einen Platz ganz vorne…superschön, aber es regnet und stürmt…also ist nicht viel mit Spazieren gehen. Der Platz insgesamt ist alt und ziemlich verwahrlost, die Saison ist zwar vorbei, aber ich kann mir nicht vorstellen dass es im Sommer besser ist. Neuer ist es auf keinen Fall.

Am nächsten Morgen gibt es Aufbackbrötchen, die sind auch in Italien nicht der Hit, aber besser als Labbertoast allemal. Und auf gehts die paar Kilomater nach Paestum, soll ja ganz grossartig sein. Vorsicht: Kulturbanause, aber wer in Ephesus oder in Athen oder sonstwo mit Tempeln war, der braucht Paestum nicht! Wir fahren hin, schaun es von aussen an und fahren fröhlich weiter!

Paestum

Unser nächstes Ziel ist Heraklion. In Pompei war ich schon mehrfach und bin immer etwas überfordert. Beim ersten Besuch nahm ich mir eine privaten Führer…sonst hätte ich die Hälfte nicht gesehen. Haraklion ist überschaubarer und wir sind sehr gespannt. Der Parkplatz ist gut ausgeschildert, die fahrt durch den Ort recht ungemütlich…ein permanentes Anfahren am Berg bei italienischer Fahrweise ist nicht wirklich komisch….aber wir kommen wohlbehalten an…und ? 8 Euro…PRO STUNDE. Egal..da muss ich durch, ich will ja hin.

Heraklion

Heraklion

Das antike Heraklion liegt in einem Loch, am Rande der Stadt, das heisst die neue Stadt liegt drüber…ich denke, kein Mensch weiss wie weit es sich noch erstreckt, aber man kann ja schlecht die neue Stadt abreissen um die alte auszugraben…obwohl? Schade wärs nicht drum…grins

Ich kanns kurz machen: ein Besuch lohnt sich sehr! Wir haben im Museum begonnen und uns dann durch die Ausgrabungen gearbeitet. Mit etwas Blick für Details muss man einfach begeistert sein! Ich muss mich hier wirklich sehr bemühen um Euch nicht mit Fotos totzuschlagen… aber mehr als sonst werden es!

Hearklion Manneken Piss in 2000 Jahre alt

Wir sind beide absolut begeistert, was ein grossartiges Erlebnis! Am Rande übrigens: Abstand, Fieber messen, Masken tragen war hier so selbstverständlich wie überall auf dieser Reise…. sogar auf den Toiletten in Süditalien war es verblüffend sauber!

Eigentlich war der Plan länger im Süden zu bleiben, aber das Wetter ist nix für Strand, auf Stadt haben wir keine Lust und so fahren wir zum Übernachten ein Stück nach Formia

Wir stehen erst am Strand… aber an einer Strasse, wo wir nicht wissen ob wir das dürfen. Leider sind wir so doof an den Hafen zu fahren, wo Wohnmobile erlaubt sind. Hm..ist ja auch ganz schön da…aber ab 22 Uhr entwickelt sich der Platz zum Treffpunkt aller Kicker und er Mopedjugend… dementsprechend ist die Stimmung am Morgen etwas gereizt. Es ist warm und sonnig, man könnte endlich mal draussen frühstücken…aber sofort umlagern und tausende von kleinen, runden schwarzen Fliegen… und so frühstücken wir mit schlechter Laune unausgeschlafen und beschliessen, ab in die Toskana!

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