Polen, Wohnmobil-Reisen
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Polen, warum nicht Polen?

Der Sommer ist für uns immer ein wenig schwierig zum reisen, wir sind ja eher Fans von Vor und Nachsaison. Aber weg wollen wir dennoch, also wo ist es angeblich nicht zu voll? Ostsee inPolen… schaun wir mal!

Wir beginnen die Reise vollkommen unsinnig mit einer Fahrt nach Kleinblittersdorf, da ist ein Treffen unserer Facebookgruppe „ Campingspass Wohnmobil“ . Nun muss ja wirklich kein Mensch je nach Kleinblittersdorf, aber wir haben uns angemeldet und freuen uns darauf, ein paar Mitglieder real kennenzulernen,die wir nur schriftlich kennen.

Wir bekommen für unsere Reise das Gruppenmaskottchen, den Wombel als Gasteltern, und dürfen ihm so ein Stück Welt zeigen. Also nicht wundern, warum er immer mal wieder auftaucht.

Sehr witzig, dass wir unsere langjährigen Venedigfreunde ausgerechnet hier treffen, Gaby kommt von hier und besucht gerade mit Alfred Ihre Familie, natürlich verabreden wir uns wenigstens auf ein kleines Frühstück, Superschön!

Der Platz an der Saarlandtherme ist ok. Von der umliegenden Erlebnisgastronomie etwas zu sehr beschallt….und ein bisschen Grünpflege könnte auchnicht schaden, aber es ist für 2 Tage ok.

Ich habe, weil es ja Sommer ist unsere Daunendecken zu Hause gelassen und statt dessen die Wildseidenen mitgenommen…schwerer Fehler: wir frieren; also nicht direkt nach Polen, sondern nach Hause und Bettzeug wechseln. Somit schon der erste Tag Verspätung, aber wir haben ja Zeit.

Potsdam

Ihr kennt sicher den Konflikt zwischen Strecke machen und Bequem reisen? Meine Lieblingsetappen sind deutlich kürzer, aber heute müssen es die 600 KM nach Potsdam sein. Wir kommen relativ gut durch, stellen uns auf einen Stellplatz zu Fuss 10 Min von Sanssoucis entfernt, und verbringen eine recht angenehme Nacht. Aldi/Rewe ist nah und so gibts frische Brötchen zum Frühstück, und danach : auf zum Schloss! Wir haben es ja alles schon oft auf Bildern oder in Filmen gesehen, aber der Anblick ist dennoch überwältigend. Park und Schloss strahlen eine fast greifbare Harmonie und Ruhe aus! Wir sind begeistert. Direkt am Schloss gibt es übrigens einen netten Stellplatz, Vorteil: am Schloss, Nachteil: man kann nix einkaufen.

Stettin

Stettin

Von Potsdam nach Stettin ist es nicht weit, und da die Eltern der Holden aus der Gegend stammen, wollen wir die Stadt wenigstens kurz anschauen.

Stellplatz mit Aussicht

Wir stehen dicht bei einer Kirmes auf einem wilden Stück Parkplatz, die Kirmes ist früh zu Ende und wir schlafen überraschend ruhig mitten in der Stadt.

Stettin war ziemlich zerstört, und der Wiederaufbau ist so wenig geglückt wie in Deutschland auch in vielen Städten…aber es ist eine Stadt mit vielen jungen Leuten und einer guten Stimmung, es gefällt uns eigentlich doch recht gut hier.

Gegessen haben wir für polnische Verhältnisse eher mittelmässig, dafür aber teuer. Klar, im Keller des Rathauses war das zu erwarten…da haben wir nix besseres verdient.

Am Ufer der Oder gehts modern zu, beleuchtete Brücken und alte Kräne sind wirklich beeindruckend. Die Kirmes ist modern, uns fällt auf, dass die meisten Fahrgeschäfte aus Deutschland stammen, wenigstens ein Ausgleich, in Deutschland gibt es Coronabedingt keine Kirmes.

Marienburg

Marienburg

Das nächste Ziel ist Marienburg. Auf Bildern sieht es toll aus…und wir haben eigentlich gar keine Vorstellung was uns erwartet. Ich kann es kurz machen: wie vieles auf dieser Reise ist es supertoll und andererseits ernüchternd.

In unmittelbarer Nähe zur Burg gibt es einen Stellplatz, na ja, einen Parkplatz auf dem sich die Wohnmobile drängeln. So gar nicht schön…aber wenns sein muss! Ich verpasse die Ausfahrt und 200 Meter weiter ist ein kleiner privater Stellplatz bei einem netten alten Herrn in seinem Apfelgarten. Wasser gibts, Klo kann man leeren, es gibt eine Grillstelle und man dürfte wohl sogar eine Toilette benutzen. Wir haben Sanitär an Bord, drum ist uns das egal. Wir sind von dem Idyllischen ruhigen Platz absolut begeistert!

Am ersten Tag umrunden wir die Burg von Aussen und staunen über die Schönheit und die Grösse der Anlage. Die Stadt ist nicht hübsch, aber wir sind ja wegen der Burg hier. Vor der Kasse gibt es lange Schlangen….ich schau mal ob das für den kommenden Tag nicht online geht!

Ihr vermisst das Mattireisefeeling?? Hier kommt es! Matti bucht und zahlt für den nächsten Tag um 11 Uhr zwei Tickets für die Marienburg. Wir reihen uns pünktlich in die kurze Schlange, die Tickets werden gescannt. Geht nicht! Wir brauchen einen Strichcode und haben einen QR code. Die Holde setzt sich auf die Bank, Matti marschiert zur Kasse. Das kann dauern. Es dauert!An der Info Kopfschütteln und Staunen, das Logo auf den Tickets stimmt auch nicht. Der Chef wird gerufen. Er kommt auch , mittlerweile ist eine Stunde vergangen und meine Laune nicht mehr so ganz rosig urlaubsmässig…. Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe Tickets für die Marienburg, jawolll, aber für die bei Hannover!! Also neue Tickets, Moni sitzt entspannt auf der Bank…und auf gehts!

Zur Burg könnt ihr alles im Internet lesen…ich fasse mich kurz: Sie war sehr stark zerstört, und ist wunderbar wieder aufgebaut worden. Die ganze Anlage ist innen und aussen sehr beeindruckend! Die euphorische Stimmung wird etwas getrübt…es gibt nämlich keine Richtungspfeile, nur Ausgangsschilder…das ist bei so einer grossen Anlage extrem hinderlich. Und, und das war auf der ganzen Reise wirklich nur hier der Fall: wir wurden, wenn wir zum Beispiel die richtige Treppe ins nächste Stockwerk suchten und an der Falschen standen regelrecht angeschnauzt. Die Damen stehen da in lockeren Grüppchen und machen ganz und gar keinen überarbeiteten Eindruck, da sollte es möglich sein, dass sie wenigstens in die richtige Richtung zeigen, anstatt uns wie böse Eindringlinge zusammenzustauchen!

Das Restaurant in der Burg ist leider gar nicht zu empfehlen…dann doch lieber etwas weiter in dei Stadt ausweichen oder doch selbst kochen.

Sieht gut aus, schmeckt grausig

Frisches Haff und kurische Nehrung

Noch mehr Mattireisefeeling? Könnt ihr haben! Hauptgrund für diese Reise war der schmale Landrücken zwischen Haff und Neerung mit der Ostsee…. Das muss doch herrlich sein…geht bis kurz vor Königsberg…also los!

Die Strasse ist schlecht und wird mit jedem Kilometer schlechter. Wir lassen uns nicht entmutigen und fahren weiter. Endlose Kiefernwälder. Laut Karte direkt an der Ostsee. Man sieht sie aber leider nicht. Nie. Nirgends! Wir kommen durch einen Ort der sehr an Ballermann im August erinnert…weiter…noch 10 Kilometer. Wir landen auf einem Campingplatz, jedenfalls nannte er sich so…eine Löcherpiste beschreibt es eher. Dusche in einem Dixiklo, gut, brauchen wir eh nicht. Teuer ist das Ganze auch noch… und bei Nacht gibts Besuch von Wildschweinen. Wie romantisch. Am nächsten Morgen fahren wir weiter, nur über eine Kuppe zu einem Parkplatz, von dem in den Foren geschwärmt wird. Wir zahlen und laufen durch den Wald zur Ostsee. Wirklich weisser Sand der beim laufen quietscht. Schön ist es dennoch irgendwie nicht. Wir frühstücken auf dem Parkplatz zwischen Posern und Dieselwolken, pfeifen auf die bezahlte Gebühr und wollen nur noch weg. Matti kratzt sich an der Kniekehle…da stimmt was nicht…kack, eine Zecke. Die Holde will sie entfernen, und was sonst gut klappt, geht schief. Zecke weg, Kopf drin. Wird sofort dick und rot. Matti muss sterben. Mindestens und sofort! Also Arzt suchen: es gibt einen, aber 15 Km weiter, wohl in dem Dorf das den Ballermann importiert hat. Tatsächlich finden wir die Praxis, aber Doktor heute nix. Ich beschliesse also das Sterben auf Morgen zu verschieben, statt dessen Räucherfisch zu kaufen und die Gegend schnell zu verlassen. Das klingt ungerecht, es ist sicher sehr schön. Im Mai, Oder im Oktober. Aber auch da sieht man die See nicht. Und ich will See sehen, nicht nur durch endlose Wälder fahren. Also auf nach Elblag. Ein Arzt muss her und ich will Genuss… nach diesem „Ausflug“ will ich ne Belohnung… zumindest ein Bier…und Fisch, und noch ein Bier… und Aussicht! Und ne normale Strasse…jawoll!

Elblag

In Elblag gibt es einen kleinen Hafen, von dem die berühmten Schiffe abfahren, die über 100 Höhenmeter auf Berge gezogen werden. Das wollen wir natürlich sehen.

Elblag

Der Campingplatz in Elblag liegt dicht beim Hafen und ist uneingeschränkt empfehlenswert. Alles nett und sauber, für Zelter gibt es sogar eine Küche mit allem drin was man braucht.Sehr guter Platz zu realem Preis.

Die Stadt selbst gefällt mir sehr gut, neue Giebelhäuser stehen zwischen alten Giebelhäusern, da stört nix, das ist alles harmonisch und ergibt ein sehr schönes Bild! Es gibt gute Restaurants….Die Besichtigung meiner Zecke ergibt, dass der Knubbel mittlerweile so dick ist, dass auch ein Arzt da nichts mehr entfernen kann, es sei denn, er schneidet grosszügig. Will ich aber nicht.Also warten wir noch nen Tag. In der Hoffnung die Nacht zu überleben kaufe ich Tickets fürs Schiffchen und trinke zum Essen ein paar Bier. Und noch ein paar…man weiss ja nie!

Wir freuen uns aufs Schiff bei bestem Wetter! Es geht flussaufwärts…durch herrliche Seerosenfelder…allerlei Getier, Vögel…Frösche….und dann kommt auch bald die erste Staustufe: das Schiffchen fährt auf eine Art Güterwagen, der auf Gleisen läuft…dann geht es den Berg hoch und oben flutscht es wieder runter… funktioniert Top, es wackelt nix…es klappt perfekt! Das ganze wäre auch finanziell erfolgreich gewesen, wenn nicht gleichzeitig die Eisenbahn in die Gegend gekommen wäre , die natürlich wirtschaftlicher war. Aber so haben wenigstens die Touris Spass und Elblag bekommt Geld in die Kassen.

Es gibt auf den Schiffen Kleinigkeiten zu knabbern und zu trinken… das ist auch gut so….4 Stunden können lang werden… Zurück geht es übrigens per Bus in 30 Minuten.

Danzig

Wir waren gar nicht sicher, ob wir nach Danzig wollten, wir hatten einiges negatives gelesen….und sind nun um so glücklicher, dass wir es doch erlebt haben…die Stadt ist einfach ein Traum.

Wir wollten eigentlich auf einen Campingplatz am Meer, mit Strassenbahnanschluss in die Stadt. Aber ganz ehrlich: ich kenne uns! Wir fahren dann in die Stadt, Schauen uns um, und für ein weiteres Mal haben wir dann oft keine Lust auf denAufwand. Es kam anders.

Am Yachthafen an der Philharmonie gibt es 3 Stellplätze, wir bekamen problemlos einen und waren so mitten in der Stadt. Direkt daneben kann man übrigens freistehen, noch wird das offenbar toleriert.

Ich dachte es gibt in Danzig die bekannten Postkartenmotive, den Turm, den Kran und ein paar nette Häuser. Irrtum, die ganze Altstadt ist ein wahres Schatzkästchen…im Sommer mit Markt in den Strassen, mit Kirmes und mit Leben auf der Strasse, quirlig, jung, eine herrlich Stimmung, so gar nichts museales. Ich zeig euch nur ein paar Bilder…und hoffe, das reicht.

In Danzig käme ich nicht mal auf die Idee selbst zu kochen….dazu ist das Angebot zu verführerisch!

Kirchen ….klar, auch mal ohne Barock, sehr sehenswert!

Swinemünde

Auch wenn Danzig superschön war, wir müssen weiter…wir sind mit Freunden auf Usedom verabredet, und wollen erstmal bis Swinemünde.

Stellplatz Swinemünde

Unterwegs kommt noch etwas Frust auf, nach Leba auf die berühmten Wanderdünen dürfen keine Hunde, Naturschutzgebiet. Ich möchte da nicht zweifeln…aber Menschenmassen dürfen, Hunde dürfen nicht. Also keine Düne. In der Nähe von Rewal war uns ein Platz von unseren Freunden Thorti und Aishe sehr empfohlen worden….aber in dem ganzen Gebiet bis in den September keine Chance. Alles voll. Oder so hässlich, dass wir nicht wollen. Wir übernachten in Rewal auf einem grossen, sehr leeren Parkplatz direkt am Strandzugang…. Klasse.

Nach Swinemünde gehts über eine dicke Fähre, das war mir natürlich nicht klar…aber es war toll….nach 20 Minuten waren wir auf der anderen Seite, und das auch noch kostenlos. Geschlafen haben wir auf dem Stellplatz am Yachthafen und waren sehr begeistert… Es ist nicht mal weit zum Hundestrand und für August ist es verblüffend leer…

Usedom

Die paar Kilometer nach Usedom sind schnell gefahren….. aber ich muss mich jetzt, nach ein paar Monaten immer noch zusammenreissen nicht loszuschimpfen. Das es im August sehr voll ist war uns klar, aber dass sich darum bei der Verwaltung niemand drum schert, war mir neu, schliesslich lebt man da vom Tourismus! Wären wir nicht verabredet gewesen, wären wir direkt weitergefahren, was da zum Übernachten angeboten wird ist schon wirklich dreist. Wir hatten im Endeffekt noch Glück und standen in Bingst auf dem Berg vor dem dortigen Hotel…Stellplatz auf Schotter ohne alles für 20 Euro…aber schöne Aussicht und wenn man will Frühstücksbüfett im Hotel. Unsere Freunde hatten weniger Glück und froren auf dem gebuchten Campingplatz, weil kein Sonnenstrahl den Platz erreichte.

Werbellinsee

Auf der Rückfahrt blieben wir leider nur für eine Nacht am Werbellinsee, ein himmlisches Stückchen Erde, da will ich nochmal hin…. Beschaulich..gemütlich, aber erlesen schön!

Der Rest und Fazit

Matti musste natürlich auf dem Rückweg unbedingt auf einen Polenmarkt… das braucht auch kein Mensch, der nicht raucht und also keine Zigaretten kaufen will… Ramsch übelster Machart…aber wir sind eine Erfahrung reicher! Wer öfter in meinem Blog stöbert, wird feststellen dass ich diesmal viel genörgelt habe, das ist nicht die Schuld von Polen, ich war nicht gut vorbereitet, wusste zum Beispiel nicht, dass man die Ostsee selten sieht, und wenn wir nochmal fahren, dann mehr ins Hinterland und sicher nicht mehr im August. Alle Bekannte, die meinten die Ostsee in Polen sei im Sommer nicht so voll wie in Deutschland waren wohl an anderen Orten als wir. Das Land ist toll, das Essen gut und man lebt sehr günstig…also ist Polen eine Reise wert, nur nicht im August. Und ich habe meine Zecke überlebt, lasse nun aber doch mal das Blut kontrollieren….

Zum Ausklang blieben wir noch ein paar Nächte in Potsdam….und dann war auch die Sommerreise schon vorbei!

1 Kommentare

  1. Marion Kabbe sagt

    Bissle verrückt seid Ihr schon, oder? Kicher

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